St. Elisabeth-Krankenhaus Köln-Hohenlind
Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität zu Köln
Werthmannstr. 1, 50935 Köln, Tel. 0221/4677-0

Urologische Klinik
Chefarzt Prof. Dr. med. H. J. Peters


Geschichte der Urologischen Klinik


Das 1932 fertiggestellte St. Elisabeth-Krankenhaus wurde vom Deutschen Caritasverband als mustergültiges Krankenhaus im Anschluß an eine einheitliche Fortbildungsstätte für caritative Gesundheitsfürsorge geplant und erbaut. Neben den traditionellen Abteilungen Chirurgie, Innere Medizin und Gynäkologie/Geburtshilfe sowie einer Röntgenabteilung waren eine Abteilung für Ernährungsstörungen und allergische Krankheiten, eine Geschlechtskrankenabteilung, eine HNO- und eine Augenabteilung sowie eine urologische Abteilung vorgesehen. Die Urologie war ein neues, sich gerade entwickelndes Fach, das bis dahin selbst in einer Großstadt wie Köln nicht vertreten war.

Der erste Chefarzt war Dr. Wilhelm Heckenbach, ein Schüler des damals bedeutendsten deutschen Urologen, Prof. Dr. Alexander von Lichtenberg im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin. Behandelt wurde das gesamte Spektrum der Urologie mit Steinerkrankungen, Tuberkulose, Prostatahyperplasie und Tumoren (z. B. Anilin-Arbeiter aus Leverkusen mit Blasenkrebs). Die Abteilung hatte einen eigenen Operationssaal, in dem zwei- bis dreimal operiert wurde. Heckenbach verließ Hohenlind schon 1936, um von Lichtenberg in Berlin nachzufolgen.

Zum neuen Chefarzt in Hohenlind wurde Dr. Matthias Beck gewählt, ebenfalls ein Schüler von Lichtenberg. Beck blieb mit Unterbrechung durch den 2. Weltkrieg bis 1965 im Amt. Einen Oberarzt hatte er nicht. Die Abteilung bestand nur aus ihm und in der Regel drei Assistenten. Der Charakter der Abteilung war noch mehr durch die Diagnostik und konservative Bahandlungsmethode bestimmt. Zwischen 1945 und 1965 wurden jährlich nur etwa 150 Operationen durchgeführt. Die Anästhesie mit Äther, Evipan und periduraler Infiltration war Aufgabe des operierenden Arztes, der OP-Schwester oder des jüngsten Assistenten. Eine Intubationsnarkose wurde 1958 erstmals und in folgenden Jahren nur sehr sporadisch von Ärzten der Chirurgischen Abteilung durchgeführt. Dr. Beck gab, nachdem er seit 1957 auch Ärztlicher Direktor gewesen war, 1965 die Abteilung ab. Er verstarb 1980 im Alter von 83 Jahren in Hohenlind.

Nachfolger wurde Dr. Horst Werner, dessen urologischer Lehrer - Prof. Dr. May in München - wiederum ein Schüler von Lichtenberg war. Er schuf im 5. Stockwerk eine neue, in sich geschlossene urologische Funktionseinheit mit je zwei Operations- und Untersuchungsräumen, in denen sich auch die erstmals vorhandene abteilungseigene Röntgenanlage befand. In seine Zeit fielen die Anfänge der urodynamischen Untersuchung und der Sonographie. Wesentlich für den Ruf der Abteilung wurden die transurethralen Operationstechniken. Hinzu kamen organerhaltende und plastische Verfahren, sowie eine erhebliche Erweiterung der Tumorchirurgie. Bis zur Gründung der Anästhesiologischen Abteilung 1969 wurde abteilungsintern ein Anästhesist eingestellt. Eine wesentliche Verkürzung der Verweildauer (1961: 38,2 Tage, 1981: 15,8 Tage) bedingte die Verringerung der Bettenzahl von 86 auf 70, später auf 60 Betten.

Seit 1984 wird die Urologische Klinik von Prof. Dr. med. Hans Joachim Peters geleitet. Prof. Peters ist ein Schüler von Prof. Dr. med. Joachim Potempa, Ordinarius für Urologie im Klinikum Mannheim. Prof. Potempa wiederum erhielt seine Ausbildung bei Prof. Huetepohl, Chefarzt des berühmten St.-Hedwig-Krankenhauses in Berlin. Dieses Krankenhaus wurde bereits von Prof. von Lichtenberg und Dr. Heckenbach geleitet. In Diagnostik und Therapie war es wiederum erforderlich, dem Fortschritt der Urologie Rechnung zu tragen. Die Steinchirurgie wurde ersetzt durch endoskopische und perkutane Operationsverfahren. Später kam die extracorporale Stoßwellen-Lithotripsie hinzu. Die urologische Onkochirurige wurde ausgebaut. Die Zahl radikaler Prostatovesikulektomien und Cystektomien nahm erheblich zu. Die Urologische Klinik Hohenlind konnte ein breites operatives Spektrum von Ersatzblasenbildungen anbieten. Ein weiterer Schwerpunkt wurde die Harnröhren- und Prothesenchirurgie. Eine Reihe von plastischen Operationsverfahren fand Eingang in den urologischen Alltag.

Die diagnostischen Möglichkeiten wurden ebenfalls verfeinert. Die Diagnostik der erektilen Dysfunktion (Impotenz) wurde ausgebaut. Neurophysiologische, radiologische und dopplersonographische Untersuchungen ergeben ein genaues Bild der Erkrankung und Hinweise auf die mögliche Ursache. Die erhebliche Zunahme onkologischer Patienten führte zwangsläufig zu einer Zunahme von präventiven und adjuvanten Maßnahmen. So ist die induktive und adjuvante Polychemotherapie ein fester Bestandteil urologischer Behandlungen geworden. Metabolische Störungen bei Tumorpatienten und Kranken mit Harnsteinen werden gezielt untersucht und behandelt. Das Fachgebiet Urologie ist im stetigen Wandel begriffen, und Neuentwicklungen sind derzeit bereits absehbar, so daß in 10 Jahren dieses Kapitel wieder völlig neu geschrieben werden muß.




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